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Rehkitzrettung aus der Luft
Drohnenausrüstung für die Rehkitzrettung

Rehkitzrettung aus der Luft

Was Sie auf dieser Seite erfahren: Warum Rehkitze vor der Mahd gefährdet sind, wie die Rehkitzrettung mit der Drohne funktioniert, welche Rolle Wärmebildkameras spielen – und wo die Methode an ihre Grenzen stößt.

Rehkitzrettung? Das bedeutet, junge Rehe zu finden und zu schützen, bevor der Mähdrescher kommt. Diese Seite bietet eine sachliche Orientierung zu Vorgehen, Technik und Verantwortung – aus der Perspektive von jemandem, der seit 2014 mit Drohnen arbeitet und die Entwicklung von den ersten selbstgebauten Systemen bis zu heutigen Standardlösungen begleitet hat.

Was ist Rehkitzrettung?

Rehkitze bleiben in den ersten Lebenswochen häufig regungslos im Gras liegen – ein natürlicher Schutzmechanismus. Doch genau der wird bei der Mahd zum Risiko. Rehkitzrettung bedeutet deshalb vor allem: Flächen rechtzeitig prüfen, Abläufe abstimmen und gefundene Tiere sicher markieren oder bergen.

Klingt einfach? Ist es nicht. Hohe Vegetation, knappe Zeitfenster, wechselndes Wetter und große Flächen mit unterschiedlichen Zugangspunkten machen die Suche zur Herausforderung.

Warum sind Rehkitze vor der Mahd besonders gefährdet?

Mehrere Faktoren wirken zusammen:

  • Hohe Vegetation erschwert die Sichtkontrolle vom Boden
  • Knappe Zeitfenster vor dem Mähen setzen alle Beteiligten unter Druck
  • Wechselnde Wetterbedingungen beeinflussen Sichtbarkeit und Flugplanung
  • Große Flächen mit unterschiedlichen Zugangspunkten erfordern systematisches Vorgehen

Und dann ist da noch der Drucktermin: Wenn das Wetter passt, muss gemäht werden. Für ausgedehnte Suchaktionen bleibt oft wenig Spielraum.

Warum hilft die Suche mit Drohne und Wärmebildkamera?

In den frühen Morgenstunden – meist zwischen 3 und 5 Uhr – können Wärmebildkameras Temperaturunterschiede besser erfassen als zu jeder anderen Tageszeit. Der Boden ist noch kühl, das Rehkitz strahlt Körperwärme ab. Dadurch lassen sich Verdachtsstellen schneller lokalisieren als bei reiner Sichtkontrolle.

Aber: Die Technik allein bringt nichts. Für belastbare Ergebnisse braucht es klare Flugrouten, gute Teamkommunikation, passende Wetterbedingungen – und Erfahrung. Wer glaubt, eine Drohne kaufen und loslegen zu können, wird schnell enttäuscht.

Wie hat sich die Technik seit 2014 entwickelt?

2014 war ein anderes Jahrzehnt. Wir flogen damals mit einer DJI S1000 – ein selbstgebauter Hexacopter mit nachgerüsteter Industrie-Thermokamera. Jeder Einsatz bedeutete: Equipment zusammenbauen, Kamera kalibrieren, Flugplanung von Hand, Auswertung am Laptop vor Ort. Was heute mit einer Mavic 3 Thermal in 20 Minuten erledigt ist, dauerte damals Stunden. Und wenn etwas nicht funktionierte? Dann war der Einsatz vorbei.

Heute ist die Technik massentauglich geworden. Die Drohnen sind kompakter, die Wärmebildkameras integriert, die Software übernimmt Flugrouten und Bildauswertung. Das ist einerseits ein riesiger Fortschritt. Andererseits führt es dazu, dass viele unterschätzen, wie viel Vorbereitung, Abstimmung und Erfahrung weiterhin nötig sind.

Ablauf vor der Mahd: Wie läuft die Rehkitzrettung mit der Drohne ab?

Ein typischer Ablauf besteht aus mehreren Schritten:

  1. Flächenmeldung und Zeitfenster abstimmen: Der Landwirt meldet die Fläche, idealerweise 24-48 Stunden vor der Mahd
  2. Suchflug in den frühen Morgenstunden planen: Start zwischen 3 und 5 Uhr, wenn der Temperaturunterschied am größten ist
  3. Verdachtsstellen durch Helfer vor Ort prüfen: Die Drohne liefert Koordinaten, das Team am Boden kontrolliert
  4. Gefundene Kitze sichern oder Bereiche markieren: Mit Grasbüscheln abdecken oder in eine sichere Kiste setzen, nie mit bloßen Händen anfassen
  5. Status vor dem Mähbeginn erneut abgleichen: Kurz vor dem Start noch einmal checken, ob alle Bereiche freigegeben sind

Klingt strukturiert? Ist es auch. Aber nur, wenn alle Beteiligten mitziehen.

Grenzen und Verantwortung: Was die Drohne nicht kann

Die Technik reduziert Risiken, bietet aber keine Garantie. Bewuchs, Bodentemperatur, Wind oder Regen können die Sichtbarkeit beeinflussen. Verantwortungsvolle Rehkitzrettung heißt daher, technische Möglichkeiten realistisch einzuschätzen, Zuständigkeiten zu klären und Sicherheit für Mensch und Tier gleichermaßen zu beachten.

Kann eine Wärmebildkamera jedes Rehkitz finden? Nein. Wenn die Umgebungstemperatur zu hoch ist, der Bewuchs zu dicht oder das Kitz unter einem Büschel liegt, wird es schwierig. False Positives – also Fehlalarme durch aufgeheizte Steine, Erdhaufen oder andere Wärmequellen – sind ebenfalls ein Thema.

Reicht ein Suchflug am Abend vorher? Besser als nichts, aber: In der Nacht kann ein Kitz neu abgelegt werden. Der sicherste Zeitpunkt ist unmittelbar vor der Mahd, morgens im optimalen Zeitfenster.

Weitere Inhalte: Ausrüstung im Überblick und Kosten einschätzen.

Erfahrungen aus der Praxis: Brandenburg 2014–2025

Seit 2014 waren wir in Brandenburg aktiv – anfangs mit viel Enthusiasmus und noch mehr Improvisationstalent. Erfolgreiche Suchläufe gab es in Brodowin, am Reiterhof Groke in Ahrensfelde, mit Medienbegleitung von ODF Fernsehen und der MOZ. Wir unterstützten Barbara Freytag in Bernau oft mit Tipps und teilten Erfahrungen, wie man Landwirte und Jagdpächter für die Methode gewinnen kann.

War es immer einfach? Nein. Die größte Herausforderung war nie die Technik, sondern die Abstimmung. Landwirte, die erst um 23 Uhr anriefen. Jäger, die skeptisch blieben. Vereine, die parallel arbeiteten, ohne voneinander zu wissen. Und manchmal standen wir um 4 Uhr morgens auf der Wiese – und die Mahd wurde kurzfristig verschoben.

Heute sind wir nicht mehr aktiv im Drohnengeschäft. Aber die Motivation, diese Seite zu betreiben, ist geblieben. Weil wir wissen, wie viel Potenzial in der Methode steckt – und wie wichtig klare, ehrliche Informationen sind.

Schattenseiten der Rehkitzrettung: Wenn viele Akteure parallel arbeiten

Seit etwa 2014 sind Drohnen technisch immer leistungsfähiger und gleichzeitig massentauglicher geworden. Was 2015 und 2016 in vielen Fällen noch mit selbstgebauten Systemen und nachgerüsteter Thermografie begonnen hat, ist mit heutigen Standardplattformen technisch deutlich einfacher umzusetzen.

Parallel dazu sind vielerorts neue Vereine entstanden, und mehr Drohnenpiloten haben Hilfe zur Rehkitzrettung angeboten. In der Praxis werden solche Angebote von Landwirten jedoch teils weiterhin mit Skepsis betrachtet. Auch die Vielzahl verschiedener Akteure macht es nicht automatisch leichter, Landwirte und Jagdpächter dauerhaft für klare, wiederkehrende Abläufe zu sensibilisieren.

Während Dienstleister Einsätze wirtschaftlich tragfähig organisieren müssen, werben Vereine um Mitglieder, um Rehkitzrettung nicht nur als Hobby, sondern als dauerhaftes und ernsthaftes Begleitthema zur Mahd, zur Jagd und zum Schutz von Lebewesen zu verankern. Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen können zu Zielkonflikten führen, obwohl alle Beteiligten grundsätzlich dasselbe Schutzanliegen teilen.

Im Raum Barnim/Brandenburg gibt es inzwischen mehrere Vereine und Anbieter. Eine Schattenseite kann dabei ein unbeabsichtigtes Gegeneinander sein: Kapazitäten werden parallel aufgebaut, verfügbare Mittel verteilen sich ungünstig, und gemeinsame Standards entstehen langsamer.

Wichtig: Diese Einordnung ist keine pauschale Kritik an Vereinsarbeit oder ehrenamtlichem Engagement. Sie beschreibt vor allem die Herausforderung, zwischen gleichgesinnten Akteuren, Landwirten und Jagdpächtern frühzeitig offene Abstimmung und verlässliche Zusammenarbeit aufzubauen.